Historie7

Alles begann friedlich während einer Inszenierung für Handpuppen im RheinTheater. Beim Proben stellten wir, das sind Rita Benter, Regisseurin u.v.m. und Armin Mahl, nur u.v.m, fest, dass wir von fünf Stunden Proben acht vertratschten. “So kann es nicht weitergehen”, lautete einvernehmlich unser Entschluss; und siehe da, als Konsequenz quatschten wir nun noch mehr. Rita war erstaunt, dass es da einen Mann gab, der nicht nur schneller und viel mehr reden konnte als eine Frau, sondern dessen Aussagen noch weniger Inhalt hatten, als sie es gemeinhin gleichgeschlechtlich gewohnt war. Mir wiederum fiel auf: hier stand eine Frau vor mir, bei der es mir erstmalig gelang, meine Ohren auf Durchzug zu stellen. Das hatte noch nicht mal meine Mutter geschafft. Ich denke, liebe Leser, Sie wissen was das heißt. Die Zusammenarbeit hatte etwas, was stark an eine über Jahrzehnte hinplätschernde Ehe erinnern könnte. Mir kam meine bevorstehende Silberhochzeit in den Sinn und ich dachte, ...also ich dachte, ...na ja, ...mmhhh, ...tja,, ok, zugegeben ... dachte ich, ...mit den Wissen von heute ?! - hätt’ ich mich damals erhängt! Aber solange man morgens noch aufwacht, geht’s halt immer so weiter.

Ihr war sofort klar: wenn diese Einstellung schon Motivation genug ist, um mit jemandem sein ganzes Leben zu ertragen, wie leicht leicht lässt sich daraus Stoff für ein Theaterstück, oder noch besser, für Kabarett extrahieren. Nach und nach pressten wir die Substanz aus unseren erlebten Beziehungen. Dabei stellten wir heraus, dass sich die Dauer der Ehe reziprok zum darin Erlebten verhält. Potenziert mit dem Wetterbericht ergibt sich, dass sich die gelebte Zeit in der Ehe einfach dreifach anfühlt. Auf unser Vorhaben angewandt hieß das für uns: alles gesammelte Material war ausreichend, um das inhaltlich kürzeste Kabarettprogramm der Welt zu schreiben. Mit der gefühlten Zeit der Ehe multipliziert musste unser fertiges Bühnenstück auf zweimal eine Stunde gekürzt werden.

 Mit der Erkenntnis, dass ein trautes Glück nur ein Placebo gegen die Einsamkeit sein kann, da die bevorzugten Gespräche einer langen Beziehung von Krankheit, Geldnot sowie um “nichts anzuziehen” bzw. “wie läufst den du rum ?” handeln, war der Titel unseres Programms schnell gefunden:

Placebo (P)forte - 1 x täglich Ritarmin

 

                   .................................. so schlimm wäd’s schon nit werre ....